Beim Huhnertanz
 
 

Das Jurahaus: Abbild der Landschaft

Handwerker beim Decken eines Legschieferdachs

Seit dem 12. Jahrhundert ist die Bauweise des Jurahauses belegt. In der Altmühlregion dominierte es bis 1953 die Hauslandschaft. Diese einzigartige, historisch gewachsene Hauslandschaft zeichnet sich durch eine schnörkellose Fassade, relativ kleine quadratische Fensteröffnungen, das aus Bruchsteinen gemauerte, massive Mauerwerk und vor allem durch das flache, mit Kalkplatten bedeckte Legschieferdach auf einem mächtigen Dachstuhl aus.

Die hierfür verwendeten Steinplatten wurden zu früherer Zeit mit Ochsenkarren aus den umliegenden Steinbrüchen angekarrt und mit handwerklichem Geschick bearbeitet. Während im 15. Jahrhundert – insbesondere in den Dörfern des Naturpark Altmühltal – die Dächer vorherrschend mit den bekannten Solnhofener Juraplatten aus altmühlfranken eingedeckt waren, verschwindet dieser wertvolle baugeschichtliche Schatz ab Mitte des 20. Jahrhunderts und verändert das historisch gewachsene Landschaftsbild.

Abgerissene und vielerorts stark verfallene Jurahäuser haben das Bild vieler Ortschaften bis heute stark verändert. Neben dem zeit- und kostenaufwendigen Verlegen des Legschieferdachs, das besondere Handwerkskunst erfordert, war vor allem die jahrzehntelange mangelnde Identifikation der Bevölkerung mit ihrer Region für das Verschwinden der historisch gewachsenen Jurahauslandschaft verantwortlich.

Zeugnis hoher Handwerkskunst

Obwohl man sich heute wieder mehr und mehr auf die Vorzüge dieser qualitativ hochwertigen Bauweise besinnt, stellt die denkmalgerechte Sanierung von Bauprojekten mit größerem Bauumfang mit originaler Kalkplattendeckung – wie der ehemalige Brauereigasthof „Zum güldenen Ritter” in Pappenheim – eine Seltenheit dar.

Die seit ein paar Jahren wachsende Wertschätzung dieses kulturellen Erbes ist deshalb nicht nur für den Erhalt des im Altmühltal historisch gewachsenen Landschaftsbildes von großer Bedeutung, sondern leistet gleichzeitig einen wesentlichen Beitrag zur Bewahrung hochqualitativer Handwerkskunst. Das in der Regel fünf- bis siebenschichtig gedeckte Kalkplattendach erfordert spezielles handwerkliches Geschick, über welches nur noch wenige mittelständische Handwerksbetriebe im Altmühltal verfügen.