Es ist ein strahlend schöner Sommertag am Großen Brombachsee. Die Sonne funkelt auf der glatten Wasseroberfläche, während eine sanfte Brise vom See herüberweht und für ein wenig Abkühlung sorgt. Wer in der prallen Sonne steht, spürt rasch, wie warm es wird, doch im Halbschatten neben dem Wassersportzentrum in Pleinfeld ist es angenehm frisch. Eine Gruppe junger Leute, alle um die zwanzig, sitzt entspannt in einem lockeren Halbkreis auf flachen Steinquadern. Vor ihnen steht Ramon. Er steigt in ein bereitliegendes Kanu, welches vor der Gruppe auf dem Boden steht und demonstriert mit einem Paddel in der Hand, wie man dieses richtig fasst. Mit ruhiger Stimme erklärt Ramon, der beruflich unter anderem Touren in Schweden führt, wie man es schafft, dass die Arme nicht zu schnell ermüden und der Bewegungsablauf gleichmäßig und kraftsparend bleibt.
Die Gruppe hört aufmerksam zu. Zwischendurch stellt jemand eine Frage oder wirft einen lockeren Kommentar ein. Bei den jungen Leuten handelt es sich um die Studierenden des 2. Semesters Outdoor Studies – gleich werden sie das Gelernte in die Praxis umsetzen.
Sami Sigl, der Geschäftsführer des Adventure Campus Treuchtlingen, steht unweit der Gruppe, die Arme locker verschränkt. Er verfolgt das Geschehen aufmerksam, nickt anerkennend, wenn Ramon wichtige Punkte betont, und ergänzt hier und da mit einem Tipp aus seinem eigenen Erfahrungsschatz. Obwohl er als Geschäftsführer den Überblick über die Organisation behalten muss, genießt er es auch, mit den Studierenden in Kontakt zu sein und direkt an den Outdoor-Aktivitäten mitzuwirken.
Flexibel und praxisnah
Die Praxisveranstaltung am Brombachsee ist Teil des Moduls „Marketing und Destinationsmanagement“. Nachdem sich die Studierenden mit den theoretischen Inhalten bereits online befasst haben, das Fränkische Seenland als Destination kennengelernt haben und die Marketinginhalte in Gruppenarbeiten angewandt haben können sie nun noch verschiedene Wassersportarten direkt am See ausprobieren. Die praktischen Erfahrungen helfen Ihnen wiederum, diese Aktivitäten dann in ihrer beruflichen Praxis besser einzubringen – egal ob bei der Vermarktung von Wassersport im Fränkischen Seenland oder bei einem Teamtraining mit Auszubildenden. Denn neben dem Studium arbeiten fast alle Studierenden bei einem Praxispartner in der Outdoor-Branche.
Teil der aktuellen Präsenzphase ist neben den beiden Tagen „Marketing und Destinationsmanagement“ auch noch ein dreitägiges Modul zum Themenschwerpunkt „Kommunikation und Teamentwicklung“. Zwei dieser Praxis-Wochen gibt es im Studiengang Outdoor Studies pro Semester, der Rest des Studiums findet online statt. Diese räumliche Flexibilität ermöglicht es den Studierenden, sich ihre Praxispartner flexibel auszusuchen – egal ob heimatnah oder in den entferntesten Winkeln Europas. Diese Flexibilität wird von den Studierenden auch genutzt.
Besonderes Studiengangsprofil und vielfältige Einsatzmöglichkeiten
Für viele der jungen Leute ist der Studiengang am Adventure Campus eine ganz bewusste Entscheidung. Die 23-jährige Klara kommt ursprünglich aus Niedersachsen und arbeitet jetzt neben dem Studium bei einem Praxispartner in Stuttgart. Auf die Frage nach ihren Beweggründen für das Studium an der Hochschule für angewandtes Management stellt sie klar: „Ich wollte schon immer in die Erlebnispädagogik – und der Studiengang Outdoor Studies hier am Campus verbindet genau das, was mir wichtig ist.“

Dieses Studiengangs-Profil habe sie ansonsten in Deutschland sehr selten gefunden, führt Klara als weiteren Grund auf und ergänzt: „Wir haben hier sehr viel Praxis-Bezug – sowohl in den Präsenzphasen als auch bei unseren dualen Partnern. Ich kann verschiedenste Outdoor-Sportarten ausprobieren, zum Beispiel hier am Brombachsee, in den nahegelegenen Wäldern oder auf der Altmühl.“ Bei ihrem dualen Partner wendet Klara die erlernten Skills dann gleich in der Praxis an – dort ist sie hauptsächlich für Klassentrainings oder Teambuildingmaßnahmen für Kinder, Jugendliche, Azubis oder Führungskräfte verantwortlich. Auch hier spielen Outdoor-Sport und Erlebnisse in der Natur eine wesentliche Rolle.
Ihre Kommilitonin Elea, die aus dem Raum Osnabrück-Bielefeld kommt, schätzt vor allem die zahlreichen Outdoor-Angebote der Region Altmühlfranken und des Studiengangs. Außerdem kommt es gut bei den Studierenden an, dass die Inhalte sich sehr individuell gestalten. „Wir können mitbestimmen, was wir brauchen und was uns interessiert.“ Vorteile sieht Elea zudem in der guten Vernetzung innerhalb der Region: „Wir sind schnell an den für uns relevanten Örtlichkeiten.“ Von der bereits angesprochenen Flexibilität, sich den Praxispartner europaweit aussuchen zu können, macht Elea vollen Gebrauch: „Ab diesem Sommer bin ich für zwei Jahre in Norwegen an einer Schule – für die Praxisphasen komme ich aber weiterhin nach Altmühlfranken.“
Für Paul, der aus Muhr am See stammt und mit den Heumöderntrails aus Treuchtlingen als Praxispartner zusammenarbeitet, war vor allem die Nähe zur Natur entscheidend: „Ich wollte schon immer etwas mit Outdoorsport machen. Hier kann ich Mountainbiken, Segeln, Kajakfahren – und gleichzeitig lerne ich, wie man das touristisch aufbereiten kann.“ Natürlich war auch die räumliche Nähe ein Kriterium für Paul: „Ich lebe sehr gerne hier in der Region, da passt es super, dass Altmühlfranken auch beruflich für mich das Richtige bereithält.“
Innovatives Konzept und Fokus auf Nachhaltigkeit – auch zum Vorteil der Region
Etwas weiter unten, am Ufer des Brombachsees, ist Prof. Dr. Manuel Sand beschäftigt. Der Studiengangsleiter von Outdoor Studies überprüft konzentriert die Ausrüstung: Er bereitet die beiden kleinen Segelboote vor, die im bevorstehenden Praxisteil ebenfalls zum Einsatz kommen werden. Der promovierte Sportwissenschaftler kam 2005 erstmals beruflich mit der Region in Berührung, wo der heute 43-Jährige damals Segelkurse am Brombachsee gab. So kam auch der Kontakt zum 2010 neu entstandenen Adventure Campus und der Hochschule für angewandtes Management zustande. Gestartet als Dozent für Sportwissenschaft ist er heute auch Prodekan der Fakultät Sportmanagement.
Da gerade auch viele Lehrbeauftragte aus der Outdoorbranche ihr Praxiswissen weitergeben, ist Manuel als Studiengangsleiter nicht bei jedem Modul so intensiv mit dabei. Umso mehr nutzt er die Gelegenheiten, wenn er – wie heute Dozent ist und Zeit mit den Studierenden verbringen kann. Dabei achtet er besonders darauf, dass genau das erhalten bleibt, was die Outdoor Studies auszeichnet: der direkte Praxisbezug. „Wir wollen, dass die Studierenden nicht nur über Outdoor-Tourismus und Destinationsmanagement reden, sondern es erleben – ganz nah an der Natur und inmitten der Region“, erklärt der Studiengangsleiter. „Dieses Modell ist nicht nur nachhaltig, weil wir Reisen auf wenige Tage im Semester reduzieren, sondern auch extrem praxisnah“, ergänzt Sami, der inzwischen ebenfalls zu den Booten hinuntergekommen ist, um Manuel bei den Vorbereitungen zu unterstützen. „Die Studierenden bringen Erfahrungen aus ganz Deutschland und aus verschiedensten Unternehmen der Outdoorbranche mit. Gleichzeitig lernen sie hier in Altmühlfranken die Verbindung von Outdoorsport und zum Beispiel nachhaltigem Tourismusmanagement.“ Dazu gehört es für Manuel und Sami auch, Themen wie etwa den Naturschutz mit in die Module einfließen zu lassen. „Wir wollen unseren Studierenden auch beibringen, wie man Besucher geschickt lenken und so unsere Natur schützen kann, anstatt sie zu überlasten“, erklärt Manuel.

Mehr als nur ein Studienort und konkrete Zukunftspläne
Dass der Adventure Campus für Altmühlfranken ein echter Gewinn ist, zeigt sich aber nicht nur am Studienangebot. Denn der Campus ist zwar unbestritten ein Hochschulstandort – bietet aber noch weit mehr: Als Kompetenzzentrum für Outdoor, Tourismus hat er sich zu einer flexiblen Event- und Outdoor-Location für Schulen und die lokale Wirtschaft entwickelt. Unternehmen aus der Region – vom Global Player bis zum mittelständischen Betrieb – nutzen das Angebot etwa für Teambuilding-Events für ihre Azubis oder Führungskräfte, aber auch für Seminare, Gesundheitstage oder Sommerfeste und Weihnachtsfeiern. Zudem nutzen erlebnisorientierte Hotelgäste und Fahrradtouristen den Campus regelmäßig für einen Aufenthalt in Altmühlfranken.
Wir führen auch viele Projekte mit Schulen durch, beispielsweise Outdoor-Sport-Wochen, bei denen Jugendliche neue Sportarten ausprobieren und Teamgeist entwickeln können, aber auch die Ferienakademie zusammen mit der Herrman Gutmann Stiftung“, erklärt Manuel. Zudem möchte man in Treuchtlingen weiter wachsen. Derzeit studieren am Adventure Campus etwa 100 Studierende. Neben den Outdoor Studies werden aktuell noch zwei weitere Studiengänge angeboten – ein Ausbau des Angebots ist in Planung. Auch Kooperationen – mit regionalen und überregionalen Partnern – sollen vertieft werden. Eine Erfolgsgeschichte in sich ist dabei die Kooperation mit DB-Training. Große Teile der DB-Azubis kommen seit 2018 nach Treuchtlingen, um dort im Zuge ihrer Ausbildung an Sozial- und Methodenkompetenz-Trainings teilzunehmen.
Was bleiben soll, ist das besondere Konzept: Outdoor-Lernen, Praxisnähe und eine enge Verbindung zur Region. Davon möchte man hier – im Süden der Metropolregion Nürnberg – auch weiterhin profitieren. „Das ist hier einfach eine super Mischung aus spannenden Leuten“, bekräftigt auch Sami. Für ihn ist der Campus – und auch die Region Altmühlfranken – nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern mittlerweile ein Stück Heimat geworden: „Ich kam sozusagen als Fachkraft hierher und bin geblieben – weil die Region, die Menschen und die Möglichkeiten einfach passen.“
Und während Manuel und Sami noch die letzten Details des anstehenden Moduls besprechen, machen sich die Studierenden des zweiten Semesters Outdoor Studies auf den Weg zum Seeufer. Bald wird es aufs Wasser gehen. Die jungen Leute werden sich in die Boote setzen, paddeln, segeln, einfach ausprobieren – eben das erleben, was diesen Studiengang am Adventure Campus Treuchtlingen zu etwas Besonderem macht.